Zeckenschutz bei freilaufenden Katzen – auch ohne Chemie?

Welche natürlichen Mittel gegen Zecken bei Katzen helfen und welche nicht

Dass Katzen durch Zecken mit Krankheiten infiziert werden, kommt zwar eher selten vor, trotzdem sind diese Parasiten lästig – und vor allem im Haus ungern gesehen, da sie für Menschen und andere Tiere gefährlich werden können. Zecken übertragen nicht nur Krankheiten, sondern verletzen zudem die Oberfläche der Haut von Tieren und schaffen somit Zugang für Bakterien oder Pilze, die zu Infektionen führen können. Haarausfall, Ekzeme und Schuppen sind die Folgen. Der Wunsch vieler Besitzer freilaufender Katzen: ein möglichst wirksames Zeckenmittel, welches die Parasiten von Ihrem Freigänger fernhält. Denn auch wenn Katzen sehr geschickt darin sind, die Zecken mit ihren feinen, scharfen Zähnen selbst zu entfernen, möchten wir ihnen diese mühsame Prozedur gern ersparen – und das am liebsten ohne oder mit nur geringem Einsatz von chemischen Stoffen.

Behandeln Sie Ihre Katze nicht mit Medikamenten, die für Hunde vorgesehen sind!

Denn einige Substanzen, die für Hunde unbedenklich sind, führen bei Katzen zu Nebenwirkungen und schlimmstenfalls zur Vergiftung. Ein Beispiel sind 
Medikamente mit dem Wirkstoff Permethrin: Katzen fehlt ein spezifisches Enzym, um den Wirkstoff Permethrin im Körper umwandeln zu können. Erhält das Tier dennoch ein permethrinhaltiges Arzneimittel, können schwere Vergiftungserscheinungen wie Störungen des zentralen Nervensystems die Folge sein, die auch zum Tode führen können.

Die Hauptsymptome einer Permethrinvergiftung bei Katzen sind:

  • Erbrechen
  • Krämpfe
  • Atembeschwerden
  • Durchfall
  • Lähmungserscheinungen

Der Saugvorgang dauert je nach Entwicklungsstadium der Zecke zwei bis zehn Tage.

Die chemischen Varianten: Spot-ons, Zeckenhalsbänder und Sprays

Spot-on-Präparate sind flüssige, antiparasitisch wirkende Tierarzneimittel. Bei Katzen werden diese meist im Nacken aufgetragen, da die Tiere den Wirkstoff hier nicht ablecken können. Das Medikament gelangt entweder durch die Haut in den Organismus oder verteilt sich über die Hautoberfläche. Weiter gibt es noch Halsbänder und Sprays, die mithilfe von chemischen Stoffen die Parasiten vertreiben oder töten. Diese Arzneimittel sind sehr wirksam und verlässlich beim Kampf gegen Zecken.

Der Nachteil an chemischen Zeckenschutzmitteln: Sie können unschöne Nebenwirkungen wie Allergien und Reizungen bei Ihrer Katze auslösen.

Was sind natürliche Zeckenschutzmittel?

Als natürliche Zeckenschutzmittel bezeichnet man biologische Substanzen, die man einsetzt, um Parasiten von Tier und Mensch fernzuhalten oder gar zu töten. Diese sind für Katzen und Menschen ungefährlich. Leider ist bei diesen Hilfsmitteln kein hundertprozentiger Schutz gewährleistet, doch lässt sich die Anzahl der Zeckenbisse reduzieren.

Eines der wohl bekanntesten natürlichen Schutzmittel ist Kokosöl – die darin befindliche Laurinsäure hält nicht nur Blutsauger, sondern auch Milben und Flöhe fern. Für die äußerliche Anwendung muss das Öl in geringen Mengen zweimal wöchentlich in das Fell einmassiert werden. Für die innerliche Behandlung geben Sie einen viertel bis einen halben Teelöffel Kokosöl in die Nahrung. Kokosöl stärkt zudem das Immunsystem, hält die Darmflora im Gleichgewicht und wirkt antibakteriell. 

Ein weiteres natürliches Mittel zum Schutz vor Zecken ist Bierhefe. Sie ist reich an Vitamin B und wirkt sich positiv auf Fell, Krallen und Haut aus. Man erhält sie als Pulver oder in Tablettenform und mischt sie unter die Nahrung. Außerdem sind auch einige Katzennahrungen mit zugesetzter Bierhefe erhältlich. Die Bierhefe verändert das Hautmilieu Ihrer Katze so, dass der daraus entstandene Körpergeruch die Parasiten abhält. Bierhefe als natürliches Zeckenschutzmittel soll zudem die Atemöffnungen der Zecken verkleben – doch dies ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen.

Ein altes Hausrezept rät zu Knoblauch als Schutz vor Zecken, doch ist hier Vorsicht geboten, da Knoblauch nur in Kleinstmengen gegeben werden darf und die Wirkung ebenfalls nicht wissenschaftlich belegt ist.

Chemiefreie Zeckenhalsbänder – bringen die wirklich was?

Es gibt Halsbänder mit natürlichen Pflanzenextrakten wie zum Beispiel ätherischem Citronellaöl, Holzöl, Harzpulver, Eukalyptusöl oder Pfefferminz. Das Halsband gibt permanent den Wirkstoff an die Haut und das Fell ab und hält somit die Blutsauger fern. Doch auch bei diesem natürlichen Zeckenschutzmittel ist der völlige Schutz vor den Parasiten nicht gewährleistet.

Bevorzugte „Andock-Stellen“ der Zecke sind die gefäßreichen, dünnhäutigen Partien an Kopf, Hals, Schultern und Achseln.

Mythos Bernsteinkette als Zeckenschutz

Ihre Katze trägt eine Bernsteinkette um den Hals und dank des stark harzigen Geruchs sollen die Parasiten wegbleiben – so die Theorie. Zecken können aber nur vier Substanzen wahrnehmen: Kohlendioxid, Milchsäure, Ammoniak und Buttersäure. Zecken sind also gar nicht in der Lage, Harz wahrzunehmen. Bernstein ist deshalb keine Hilfe gegen Zecken.

Vor- und Nachteile von natürlichen Zeckenschutzmitteln

Ein Vorteil bei natürlichen Mittel gegen Zecken ist in erster Linie, dass sie keine Nebenwirkungen auslösen wie zum Beispiel allergische Reaktionen, Juckreiz und Haarausfall. Dennoch bieten diese biologischen Mittel keinen hundertprozentigen Schutz – das gewährleisten nur die chemischen Präparate bei konsequenter Anwendung. 
Viele Katzenhalter berichten jedoch von positiven Erfahrungen mit einigen natürlichen Mitteln gegen Zecken. Und Tests zeigen, dass man tatsächlich mit bestimmten Hausmitteln die Zahl an Zeckenbissen reduzieren kann. Wer also gerne auf die chemischen Arzneimittel verzichten möchte, sollte diese natürlichen Zeckenschutzmittel selbst testen.

Zeckenschutz hin oder her: Was Sie grundsätzlich immer tun sollten

Für den optimalen Zeckenschutz ist es zusätzlich sinnvoll, die Katze nach ihrem Freigang regelmäßig abzusuchen. Entfernen Sie krabbelnde oder ansaugende Zecken direkt mit einer speziellen Zeckenpinzette. Versuchen Sie keinesfalls, die Zecke vor dem Entfernen mit Öl, Alkohol oder anderen Flüssigkeiten abzutöten, denn gerade im Todeskampf bringen Zecken ihren möglicherweise infektiösen Speichel vermehrt in die Wunde ein. Wenn der Stich gerötet ist oder anschwillt, suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

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